Hunderassen

Hovawart: Charakter, Führung & Ernährung

⏱️ 8 Min. LesezeitVon Christian HacklFachlich geprüft von Eva Hackl12.08.2026
Hovawart: Charakter, Führung & Ernährung

Der Hovawart gehört zu den eindrucksvollsten deutschen Hunderassen, ist aber im Alltag deutlich seltener anzutreffen als Schäferhund oder Labrador. Wer sich für diesen kraftvollen, aufmerksamen Begleiter entscheidet, bekommt einen Hund mit eigenem Kopf, ausgeprägtem Familiensinn und einem Wachtrieb, der ihm seinen Namen gegeben hat: „Hova" für Hof und „wart" für Wächter. In diesem Ratgeber erfährst du, welches Wesen den Hovawart auszeichnet, worauf du bei Erziehung und Auslastung achten solltest und wie du diesen großen Hund über alle Lebensphasen hinweg richtig fütterst. Falls du noch unsicher bist, ob der Hovawart wirklich zu deinem Alltag passt, hilft dir auch unser Rassenfinder bei der Entscheidung.

Steckbrief und Wesen

Der Hovawart ist ein großer, kräftig gebauter Hund mit dichtem, oft leicht gewelltem Fell in den Farben Schwarz, Blond oder Schwarzmarken. Rüden erreichen eine Schulterhöhe von etwa 63 bis 70 Zentimetern, Hündinnen sind mit rund 58 bis 65 Zentimetern etwas kleiner. Das Gewicht liegt je nach Geschlecht und Statur zwischen 25 und 40 Kilogramm.

Charakterlich ist der Hovawart ein Hund mit Substanz. Er ist selbstbewusst, wachsam und äußerst menschenbezogen, dabei aber keineswegs überschwänglich oder anhänglich im klassischen Sinn. Vielmehr beobachtet er sein Umfeld genau, bildet eine enge Bindung zu seiner Familie und entscheidet eigenständig, wem er vertraut. Fremden gegenüber zeigt er sich zunächst reserviert, das gehört zu seinem natürlichen Schutzverhalten und ist kein Zeichen von Ängstlichkeit. Innerhalb der Familie wiederum ist er ausgesprochen liebevoll, geduldig mit Kindern und ein zuverlässiger Begleiter für ruhige Spaziergänge genauso wie für sportliche Aktivitäten.

Wichtig zu wissen: Der Hovawart ist spät reif. Während viele Hunde mit anderthalb Jahren bereits erwachsen wirken, entwickelt sich der Hovawart geistig oft erst mit drei bis vier Jahren vollständig. Diese lange Reifephase solltest du in der Erziehung von Anfang an einplanen.

Herkunft und Geschichte

Die Wurzeln des Hovawarts reichen weit zurück. Schon im Mittelalter wurden Hunde mit ähnlichem Aussehen auf deutschen Gutshöfen als Wach- und Hofhunde eingesetzt, urkundlich erwähnt unter anderem im 13. Jahrhundert in einer Aufzeichnung über den Hunsrück. In den 1920er Jahren griffen Züchter diese Tradition bewusst auf und formten aus regionalen Landschlägen gezielt eine eigenständige Rasse, die 1937 offiziell als Hovawart anerkannt wurde.

Anders als viele andere Wachhunderassen wurde der Hovawart nie auf Schärfe oder reine Schutzarbeit gezüchtet, sondern immer als vielseitiger Begleithund gedacht: aufmerksam genug, um Hof und Familie zu bewachen, gleichzeitig freundlich und ausgeglichen genug, um im engen Kontakt mit Menschen zu leben. Diese Doppelrolle prägt den Charakter der Rasse bis heute und erklärt, warum der Hovawart weder ein reiner Nutzhund noch ein reiner Schmusehund ist, sondern etwas dazwischen: ein Hund mit Aufgabe.

Erziehung und Auslastung

Ein Hovawart ist kein Anfängerhund. Er braucht Menschen, die konsequent, ruhig und fair führen, ohne dabei hart oder autoritär zu wirken. Grobe Methoden oder ständiger Druck bewirken bei dieser Rasse meist das Gegenteil des Gewünschten: Der Hovawart zieht sich zurück oder wird stur. Erfolgreicher ist eine Erziehung, die auf Vertrauen, klaren Regeln und positiver Bestärkung aufbaut. Kleine, hochwertige Belohnungshäppchen aus unseren natürlichen Leckerlis eignen sich hervorragend für das Training, weil sie schnell verfüttert sind und den Trainingsfluss nicht unterbrechen.

Wichtig ist die frühe und breite Sozialisierung. Ein Welpe, der schon in den ersten Lebensmonaten viele Menschen, Situationen, Geräusche und andere Hunde kennenlernt, entwickelt sich zu einem gelasseneren erwachsenen Hund. Da der Hovawart von Natur aus wachsam ist, hilft ihm diese frühe Erfahrung, zwischen echten Anlässen und alltäglichen Situationen zu unterscheiden, statt jeden Besuch oder jedes ungewohnte Geräusch als Bedrohung zu werten.

Auslastung bedeutet beim Hovawart nicht nur körperliche Bewegung, sondern vor allem geistige Beschäftigung. Diese Rasse wurde für eigenständiges Denken und Handeln gezüchtet und braucht daher Aufgaben, bei denen sie mitdenken darf. Fährtenarbeit, Mantrailing, Rettungshundearbeit, Gehorsamstraining oder Nasenarbeit im Garten passen gut zu seinem Naturell. Reines Dauerlaufen oder stundenlanges Bällewerfen dagegen überdreht viele Hovawarts eher, als dass es sie zufriedenstellt. Wer seinem Hund regelmäßig echte Aufgaben gibt, bekommt im Gegenzug einen ausgeglichenen, zuverlässigen Partner für den Alltag.

Die richtige Ernährung für den Hovawart

Als großwüchsige Rasse braucht der Hovawart in der Wachstumsphase besondere Aufmerksamkeit bei der Fütterung. Zu schnelles Wachstum belastet Knochen und Gelenke und erhöht das Risiko für orthopädische Probleme wie Hüftgelenksdysplasie. Entscheidend ist deshalb nicht, den Welpen möglichst schnell groß werden zu lassen, sondern ihn kontrolliert und langsam wachsen zu lassen. Ein Futter mit angepasstem Energie- und Calcium-Phosphor-Verhältnis, speziell für große Rassen konzipiert, unterstützt diesen gleichmäßigen Aufbau von Muskulatur und Skelett deutlich besser als ein zu energiereiches Standardfutter.

Im erwachsenen Alter hat der Hovawart einen mittleren bis eher moderaten Energiebedarf, der stark von seiner tatsächlichen Bewegung abhängt. Ein Hund, der viel Fährtenarbeit oder Sport betreibt, benötigt spürbar mehr Energie als ein ruhiger Familienhund mit ausgedehnten Spaziergängen. Achte in jedem Fall auf ein hochwertiges Eiweißfundament aus echtem Fleisch, gesunde Fette für Fell und Gelenke sowie eine bedarfsgerechte Menge an Kohlenhydraten. Unser Trockenfutter liefert dir dafür eine stabile Nährstoffgrundlage, während sich hochwertiges Nassfutter gut zum Anfeuchten, zur Abwechslung oder als Ergänzung eignet, gerade bei Hunden mit geringerem Durst oder empfindlichem Magen.

Weil jeder Hovawart in Aktivität, Alter und Stoffwechsel unterschiedlich ist, lohnt sich ein genauer Blick auf die individuelle Futtermenge und Rezeptur. Mit unserem Futterfinder ermittelst du in wenigen Schritten, welches Futter am besten zu Alter, Größe und Aktivitätslevel deines Hovawarts passt, statt auf gut Glück ein Produkt aus dem Regal zu greifen.

Kausnacks und Kauartikel

Kauen gehört für den Hovawart zu den natürlichsten Beschäftigungen überhaupt. Es baut Stress ab, pflegt die Zähne und gibt einem Hund, der gerne selbstständig „arbeitet", eine sinnvolle Aufgabe für ruhige Stunden. Bei einem so großen und kräftigen Hund sind allerdings robuste, gut kaubare Artikel besonders wichtig, damit sie der Kraft der Kiefer standhalten und trotzdem gesund verdaulich bleiben.

Setze auf naturbelassene Kauartikel ohne künstliche Zusätze, die zur Größe deines Hundes passen. In unseren natürlichen Kausnacks findest du eine breite Auswahl an robusten, hochwertigen Kauartikeln, die auch einem kräftigen Hovawart-Gebiss lange Freude bereiten. Achte darauf, die Kaudauer im Blick zu behalten, den Kauartikel dem Alter anzupassen und Welpen mit noch wachsendem Gebiss weichere Varianten zu geben. Wenn du unsicher bist, welcher Kauartikel für Größe, Alter und Kauverhalten deines Hovawarts am besten geeignet ist, hilft dir unser Kauartikelfinder bei der Auswahl.

Gerade in der Wachstumsphase gilt: lieber etwas seltener, dafür in der richtigen Größe und Härte, statt aus Bequemlichkeit auf zu kleine oder zu harte Artikel zurückzugreifen. So bleibt Kauen für deinen Hovawart ein Genuss und keine Belastung für die Zähne oder das Kiefergelenk.

Gesundheit und Pflege

Der Hovawart gilt insgesamt als robuste und langlebige Rasse, mit einer Lebenserwartung von etwa 10 bis 14 Jahren. Wie bei allen großen Hunden solltest du dennoch einige rassetypische Risiken im Blick behalten. Hüftgelenksdysplasie und Ellbogendysplasie kommen vor, weshalb bewusstes, langsames Wachstum im ersten Lebensjahr und moderate Bewegung ohne übermäßige Sprünge oder lange Treppenläufe besonders wichtig sind. Auch eine erblich bedingte Autoimmunerkrankung, die sogenannte Hovawart-Hypothyreose beziehungsweise Autoimmunthyreoiditis, tritt in der Rasse gehäuft auf und lässt sich über regelmäßige Blutuntersuchungen frühzeitig erkennen.

Die Fellpflege ist überschaubar, aber regelmäßig nötig. Das mittellange, leicht gewellte Fell sollte etwa ein- bis zweimal wöchentlich gebürstet werden, um Verfilzungen zu vermeiden, besonders hinter den Ohren und an den Läufen. Während des Fellwechsels im Frühjahr und Herbst empfiehlt sich häufigeres Bürsten. Ohren, Zähne und Krallen gehören ebenfalls zur Routinepflege, ein starkes Gebiss profitiert dabei zusätzlich von regelmäßigen, geeigneten Kauartikeln.

Halte darüber hinaus das Körpergewicht deines Hovawarts im Blick. Übergewicht belastet die ohnehin beanspruchten Gelenke zusätzlich und verkürzt nachweislich die Lebenserwartung. Eine bedarfsgerechte Fütterung in Kombination mit ausreichend Bewegung ist deshalb die beste Vorsorge, die du selbst treffen kannst.

Häufige Fragen

Ist der Hovawart für Anfänger geeignet?

Eher nicht. Der Hovawart braucht erfahrene Halter, die konsequent und gleichzeitig einfühlsam führen können. Seine ausgeprägte Wachsamkeit, sein eigener Wille und seine lange Reifezeit fordern Geduld und Hundeerfahrung. Wer bereits mit größeren, selbstständig denkenden Rassen gearbeitet hat, kommt mit einem Hovawart deutlich besser zurecht als absolute Neueinsteiger.

Wie viel Bewegung braucht ein Hovawart täglich?

Ein erwachsener Hovawart benötigt in der Regel ein bis zwei Stunden Bewegung am Tag, verteilt auf mehrere Einheiten. Genauso wichtig wie die reine Bewegungszeit ist dabei geistige Auslastung durch Nasenarbeit, Training oder andere Beschäftigungsformen, da rein körperliche Auspowerung allein selten für dauerhafte Ausgeglichenheit sorgt.

Passt der Hovawart zu Familien mit Kindern?

Ja, sofern die Familie Erfahrung mit großen Hunden mitbringt und dem Hovawart klare Strukturen bietet. Innerhalb seiner Familie ist er in der Regel geduldig, beschützend und liebevoll im Umgang mit Kindern. Wichtig ist trotzdem, dass Kinder den respektvollen Umgang mit dem Hund lernen und keine unbeaufsichtigten Situationen mit fremden Kindern oder Besuchern entstehen, da der Wachtrieb der Rasse hier ungünstig einwirken kann.

Wie lange dauert die Wachstumsphase beim Hovawart?

Körperlich ist ein Hovawart meist mit 18 bis 24 Monaten weitgehend ausgewachsen, geistig reift er jedoch häufig erst mit drei bis vier Jahren vollständig. Während der körperlichen Wachstumsphase ist eine kontrollierte, bedarfsgerechte Fütterung besonders wichtig, um Gelenke und Skelett nicht zu überlasten und die Basis für ein gesundes Hundeleben zu legen.

Charakter & für wen der Hovawart passt

Kurz gesagt passt der Hovawart am besten zu: erfahrene Familien mit Platz, die einen treuen Wächter suchen.

  • Größe: groß
  • Energielevel: mittel
  • Mit Kindern: sehr kinderlieb
  • Wohnung: eher nicht wohnungstauglich
  • Für Anfänger: eher für erfahrene Halter
  • Fellpflege: mittlerer Pflegeaufwand
  • Trainierbarkeit: lernfreudig
  • Wachsamkeit: ausgeprägter Wachhund

Du bist unsicher, ob diese Rasse zu deinem Leben passt? Finde es mit unserem Rassenfinder „Welche Hunderasse passt zu mir?" heraus.

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Dieser Ratgeber dient der allgemeinen Information und ersetzt keine tierärztliche Diagnose oder Beratung. Bei anhaltenden Beschwerden Deines Hundes wende Dich bitte an eine Tierärztin oder einen Tierarzt.
Christian Hackl

Autor & Hunde-Ernährungsberater

Christian Hackl

Gründer von NANDOO und geprüfter Hunde-Ernährungsberater. Als Tierpsychologe (Fachrichtung Hund) und seit 1999 aktiver Hundetrainer verbindet er fundiertes Wissen über Anatomie und Physiologie des Hundes mit fast 30 Jahren Praxis und entwickelt die NANDOO-Rezepturen mit.

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Eva Hackl

Fachlich geprüft von

Eva Hackl

Hundetrainerin und Tierpsychologin (Fachrichtung Hund). Sie ist Teil des DHK-Teams und bringt die praktische Erfahrung aus Training, Erziehung und dem Alltag mit vielen Hunderassen ein.

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